Ist Zungeschaben gesund?

Zungenschaben für die Generation 50+: Welche gesundheitlichen Vorteile bringt das reinigen Ihrer Zunge?

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die Zunge – Mehr als nur ein Geschmacksorgan * Ein neuer Blick auf einen oft übersehenen Teil unserer Gesundheit * Warum die Zungenpflege gerade in der zweiten Lebenshälfte an Bedeutung gewinnt

2. Der Zungenbelag: Ein Spiegelbild unserer Gesundheit * Was ist Zungenbelag? Eine mikroskopische Spurensuche * Der Farben-Check: Was uns weißer, gelber, brauner oder roter Belag verrät * Wann ist Belag normal und wann ein Fall für den Arzt?

3. Die Wissenschaft des Zungenschabens: Was im Mund passiert * Der mechanische Reinigungseffekt: Mehr als nur oberflächliche Kosmetik * Das orale Mikrobiom: Wie Zungenreinigung das Gleichgewicht der Bakterien beeinflusst * Eine überraschende Verbindung: Zungengesundheit und der Blutdruck

4. Die belegten Vorteile: Gesundheitliche Auswirkungen für die Generation 50+ * Frischer Atem, neues Selbstvertrauen: Der wissenschaftlich bewiesene Effekt gegen Mundgeruch (Halitosis) * Ein Fest für die Sinne: Die Wiederentdeckung des Geschmackssinns * Karies und Parodontitis: Was die Zungenreinigung beitragen kann – und was nicht * Ganzheitliche Gesundheit: Die Verbindung von Mundflora, Verdauung und Immunsystem

5. Die Kunst der Anwendung: Ihr praktischer Leitfaden zum Zungenschaben * Schritt-für-Schritt-Anleitung: So reinigen Sie Ihre Zunge richtig und sicher * Timing ist alles: Wie oft und wann ist der beste Zeitpunkt? * Den Würgereiz überwinden: Bewährte Tipps für eine entspannte Anwendung

6. Das richtige Werkzeug: Ein Vergleich der Hilfsmittel * Zungenschaber vs. Zungenbürste vs. Zahnbürste: Was ist am effektivsten? * Materialkunde: Die Vor- und Nachteile von Edelstahl, Kupfer und Kunststoff * Was Sie nicht verwenden sollten: Von scharfen Kanten und ungeeigneten Hausmitteln

7. Besondere Überlegungen für die reiferen Jahre * Umgang mit Mundtrockenheit (Xerostomie): Warum Zungenpflege hier besonders hilft * Wenn Medikamente Spuren hinterlassen: Zungenbelag als Nebenwirkung * Das Immunsystem unterstützen: Orale Hygiene als Teil der körpereigenen Abwehr

8. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

9. Weiterführende Medien und Ressourcen * Empfehlenswerte Videos von zahnmedizinischen Experten * Buchtipps zur Mundgesundheit im Alter

10. Quellenverzeichnis

1. Einleitung: Die Zunge – Mehr als nur ein Geschmacksorgan

Ein neuer Blick auf einen oft übersehenen Teil unserer Gesundheit

In der täglichen Routine der Körperpflege widmen wir unseren Zähnen, der Haut und den Haaren viel Aufmerksamkeit. Doch ein zentraler Akteur in unserem Mund wird oft übersehen: die Zunge. Sie ist weit mehr als nur ein Werkzeug zum Schmecken, Sprechen und Schlucken. Die Zunge ist ein komplexes Ökosystem und, wie es alte Gesundheitstraditionen wie die ayurvedische Lehre seit Jahrtausenden wissen, ein Spiegel unserer inneren Gesundheit. Die moderne Wissenschaft beginnt erst jetzt, die tiefgreifenden Verbindungen zwischen der Beschaffenheit der Zunge, der Zusammensetzung ihrer mikrobiellen Flora und dem Zustand unseres gesamten Organismus zu entschlüsseln. Dieser Bericht lädt Sie ein, die Zungenpflege nicht als lästige Pflicht, sondern als eine kraftvolle, proaktive Maßnahme für Ihr Wohlbefinden zu entdecken.

Warum die Zungenpflege gerade in der zweiten Lebenshälfte an Bedeutung gewinnt

Mit dem Eintritt in die reiferen Jahre ab 50 ändern sich die physiologischen Rahmenbedingungen unseres Körpers. Diese Veränderungen machen eine bewusste Mund- und Zungenpflege wichtiger denn je. Drei Faktoren spielen hierbei eine entscheidende Rolle:

  1. Nachlassende Speichelproduktion (Xerostomie): Viele Menschen über 50 nehmen regelmäßig Medikamente gegen Bluthochdruck, Depressionen oder andere chronische Erkrankungen ein. Eine häufige Nebenwirkung ist die Reduzierung des Speichelflusses. Speichel ist jedoch der natürliche Reinigungsdienst des Mundes; er spült Bakterien weg, neutralisiert Säuren und schützt die Schleimhäute. Fehlt dieser Schutz, können sich Bakterien auf der rauen Zungenoberfläche ungehindert vermehren.
  2. Veränderungen im Immunsystem (Immunoseneszenz): Das Immunsystem wird im Laufe des Lebens umgebaut und reagiert manchmal weniger schlagkräftig auf neue Herausforderungen. Dies erhöht die Anfälligkeit für orale Infektionen, wie zum Beispiel Mundsoor (eine Pilzinfektion), der sich oft als dicker, weißer Zungenbelag manifestiert.
  3. Erhöhtes Risiko für Zahnerkrankungen: Freiliegende Zahnhälse und ein trockener Mund erhöhen die Anfälligkeit für Wurzelkaries, während ein geschwächtes Immunsystem das Risiko für Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) steigern kann.

Die mechanische Reinigung der Zunge wirkt diesen altersbedingten Risiken direkt entgegen. Sie kompensiert die nachlassende natürliche Reinigungsfunktion des Speichels und reduziert die Gesamtmenge an potenziell schädlichen Mikroorganismen im Mund. Sie ist somit eine einfache, aber hochwirksame Strategie, um die Mundgesundheit aktiv zu gestalten und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

2. Der Zungenbelag: Ein Spiegelbild unserer Gesundheit

Was ist Zungenbelag? Eine mikroskopische Spurensuche

Der oft als weißlich oder gelblich empfundene Film auf der Zunge ist kein homogenes Material, sondern ein komplexer Biofilm. Er besteht aus einer Mischung verschiedener Komponenten:

  • Abgeschilferte Epithelzellen: Die oberste Schicht der Mundschleimhaut erneuert sich ständig. Alte, abgestorbene Zellen lagern sich auf der Zunge ab.
  • Speisereste: Kleinste Partikel der Nahrung bleiben in den Vertiefungen der Zungenoberfläche hängen.
  • Mikroorganismen: Die Zunge ist das größte Reservoir für Bakterien und Pilze in der gesamten Mundhöhle. Hunderte verschiedene Arten, darunter Streptokokken, Laktobazillen und Neisserien, bilden hier eine komplexe Lebensgemeinschaft, das sogenannte orale Mikrobiom.
  • Körpereigener Schleim (Muzine): Diese Proteine aus dem Speichel wirken wie ein Klebstoff, der die anderen Bestandteile zu einem Belag verbindet.

Die raue, zerklüftete Oberfläche der Zunge, die durch unzählige kleine Papillen (Papillae filiformes) gebildet wird, bietet diesem Biofilm ideale Haftungsbedingungen. Ein leichter, abwischbarer Belag, der besonders morgens sichtbar ist, ist ein völlig normaler physiologischer Zustand. Nachts sind die Selbstreinigungsmechanismen des Mundes – der Speichelfluss und die mechanische Reibung durch Sprechen und Kauen – stark reduziert, was die Ansammlung von Belag begünstigt.

Der Farben-Check: Was uns weißer, gelber, brauner oder roter Belag verrät

Die Farbe und Beschaffenheit des Zungenbelags können wertvolle Hinweise auf unseren Lebensstil und Gesundheitszustand geben. Es ist wichtig, zwischen harmlosen Verfärbungen und potenziellen Warnsignalen zu unterscheiden.

Farbe des BelagsTypische harmlose UrsachenMögliche medizinische HinweiseWann zum Arzt?
WeißMorgendlicher Belag nach dem Aufwachen, mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Konsum von Milchprodukten.Erkältung, grippaler Infekt, Magen-Darm-Störungen. Dicker, krümeliger, abwischbarer Belag kann auf Mundsoor (Candida-Pilzinfektion) hindeuten, besonders bei Immunschwäche. Nicht abwischbare weiße Flecken könnten eine Leukoplakie sein.Wenn der Belag hartnäckig ist, von Schmerzen, Brennen oder einem wunden Gefühl begleitet wird oder sich nicht abstreifen lässt.
GelbKonsum von Kaffee, schwarzem Tee, stark gewürzten Speisen (z.B. Curry), Rauchen.Kann eine Vorstufe zur schwarzen Haarzunge sein. Selten ein Hinweis auf eine Störung der Leber- oder Gallenfunktion, meist begleitet von einer Gelbfärbung der Augen.Bei anhaltendem gelben Belag trotz guter Mundhygiene, insbesondere wenn zusätzliche Symptome wie Bauchschmerzen oder Gelbfärbung der Augen auftreten.
Rot / „Himbeerzunge“Genuss von stark färbenden Lebensmitteln wie Rote Bete oder Rotwein.Klassisches Symptom bei Scharlach. Kann auch auf einen Vitamin-B12-Mangel (Hunter-Glossitis) oder das Kawasaki-Syndrom hinweisen. Eine glatte, glänzend rote „Lackzunge“ kann beim Sjögren-Syndrom auftreten.Bei plötzlicher, starker Rötung, insbesondere in Verbindung mit Fieber, Halsschmerzen, Hautausschlag oder Zungenbrennen.
BraunStarker Konsum von Kaffee, Tee oder Tabak. Häufige Anwendung von Mundspülungen mit Chlorhexidin.Kann auf eine Nierenschwäche oder Störungen im Magen-Darm-Trakt hindeuten.Wenn die Verfärbung nicht auf Genussmittel zurückzuführen ist und über längere Zeit bestehen bleibt.
Schwarz / Grau / „Haarzunge“Oft eine harmlose Verlängerung der Zungenpapillen (Lingua villosa nigra), begünstigt durch Rauchen, bestimmte Antibiotika oder mangelnde Mundhygiene. Einnahme von Bismutpräparaten oder Eisenpräparaten.Grauer Belag kann auf Eisenmangel oder Anämie hinweisen. Eine bläuliche Färbung kann auf Sauerstoffmangel hindeuten.Obwohl meist harmlos, sollte bei einer plötzlichen Schwarzfärbung, die nicht durch Medikamente oder Lebensmittel erklärbar ist, ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden.

Wann ist Belag normal und wann ein Fall für den Arzt?

Die Selbstbeobachtung ist der erste und wichtigste Schritt. Ein Zungenbelag ist in den meisten Fällen unbedenklich, wenn er:

  • vorwiegend morgens auftritt und sich im Laufe des Tages durch Essen, Trinken und Zähneputzen reduziert.
  • dünn, weißlich und leicht abstreifbar ist.
  • nicht mit anderen Symptomen einhergeht.

Ein Besuch beim Zahnarzt oder Hausarzt ist ratsam, wenn einer oder mehrere der folgenden Punkte zutreffen:

  • Der Belag ist ungewöhnlich dick, hartnäckig und lässt sich auch durch Zungenreinigung nicht entfernen.
  • Der Belag ist nicht abstreifbar, was auf eine tiefergehende Veränderung der Schleimhaut (Hyperkeratose oder Leukoplakie) hindeuten könnte.
  • Es treten Begleitsymptome auf wie Schmerzen, ein brennendes Gefühl auf der Zunge, Geschmacksverlust, Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl.
  • Die Zunge ist geschwollen oder ihre Form hat sich verändert.

3. Die Wissenschaft des Zungenschabens: Was im Mund passiert

Der mechanische Reinigungseffekt: Mehr als nur oberflächliche Kosmetik

Das Prinzip des Zungenschabens ist denkbar einfach, aber physikalisch hochwirksam. Durch das sanfte Ziehen eines Schabers oder einer Bürste über die Zungenoberfläche wird der Biofilm aus Bakterien, Speiseresten und Zelltrümmern mechanisch abgetragen und entfernt. Dieser Vorgang hat einen doppelten Effekt: Er beseitigt nicht nur die existierenden Mikroorganismen, sondern entzieht ihnen auch den Nährboden, auf dem sie sich vermehren. Es ist eine direkte Intervention in das Ökosystem des Mundes, die das Gleichgewicht zugunsten einer gesünderen Mundflora verschiebt.

Das orale Mikrobiom: Wie Zungenreinigung das Gleichgewicht der Bakterien beeinflusst

Die Zunge ist der am dichtesten besiedelte Lebensraum in unserer Mundhöhle. Schätzungen zufolge befinden sich hier bis zu 80% aller oralen Mikroorganismen. Diese Gemeinschaft, das orale Mikrobiom, ist nicht per se schlecht; viele Bakterien sind harmlos oder sogar nützlich. Probleme entstehen, wenn das Gleichgewicht (Symbiose) gestört wird und bestimmte, potenziell schädliche (pathogene) Bakterien überhandnehmen (Dysbiose).

Die Zungenreinigung kann hier regulierend eingreifen. Anders als aggressive, chemische Mundspülungen, die oft undifferenziert sowohl nützliche als auch schädliche Bakterien abtöten, zielt die mechanische Reinigung darauf ab, die Gesamtlast des Biofilms zu reduzieren. Dies kann dazu beitragen, das Wachstum unerwünschter Keime einzudämmen und ein gesünderes Gleichgewicht zu fördern. Neuere Forschungen deuten zudem auf eine faszinierende Verbindung zwischen dem oralen und dem intestinalen (Darm-) Mikrobiom hin. Da wir ständig Speichel und damit auch orale Bakterien schlucken, kann eine Reduzierung der bakteriellen Last auf der Zunge potenziell auch das Gleichgewicht in unserem Verdauungstrakt positiv beeinflussen.

Eine überraschende Verbindung: Zungengesundheit und der Blutdruck

Eine der spannendsten Entdeckungen der jüngeren Forschung betrifft die unerwartete Rolle des Zungenmikrobioms bei der Regulierung des Blutdrucks. Dieser Prozess, bekannt als der enterosalivare Nitrat-Nitrit-NO-Weg, funktioniert folgendermaßen:

  1. Aufnahme: Wir nehmen mit der Nahrung, insbesondere mit grünem Blattgemüse wie Spinat oder Rucola, Nitrate auf.
  2. Zirkulation: Ein Teil dieser Nitrate wird vom Körper aufgenommen und über die Speicheldrüsen wieder in den Mundraum abgegeben.
  3. Umwandlung: Spezielle Bakterien, die auf dem Zungenrücken leben, besitzen Enzyme (Nitratreduktasen), die dieses Nitrat in Nitrit umwandeln.
  4. Wirkung: Nach dem Schlucken wird dieses Nitrit im Magen zu Stickstoffmonoxid (NO) umgewandelt. Stickstoffmonoxid ist ein entscheidendes Signalmolekül im Körper, das die Blutgefäße erweitert, die Durchblutung verbessert und somit den Blutdruck senken kann.

Eine Studie hat gezeigt, dass die Häufigkeit der Zungenreinigung die Zusammensetzung dieser nützlichen Bakteriengemeinschaft beeinflusst. Eine übermäßige oder aggressive Reinigung, insbesondere mit antiseptischen Mundspülungen, kann diese Bakterien zerstören, den Nitrat-Nitrit-Weg unterbrechen und potenziell sogar zu einem Anstieg des Blutdrucks führen. Dies verleiht der Zungenpflege eine völlig neue Dimension. Es geht nicht mehr nur um Mundhygiene, sondern um die Pflege eines symbiotischen „Gartens“ auf unserer Zunge, der aktiv zu unserer Herz-Kreislauf-Gesundheit beitragen kann. Für die Generation 50+, bei der Bluthochdruck eine der häufigsten chronischen Erkrankungen ist, ist diese Erkenntnis von herausragender Bedeutung und eine starke Motivation für eine achtsame Zungenpflege.

4. Die belegten Vorteile: Gesundheitliche Auswirkungen für die Generation 50+

Frischer Atem, neues Selbstvertrauen: Der wissenschaftlich bewiesene Effekt gegen Mundgeruch (Halitosis)

Der am besten dokumentierte und unmittelbar spürbare Vorteil der Zungenreinigung ist die Bekämpfung von Mundgeruch. Die wissenschaftliche Evidenz hierzu ist überwältigend:

  • Ursprung des Problems: In etwa 85% der Fälle entsteht Mundgeruch direkt in der Mundhöhle, und die Hälfte davon wird durch Zungenbelag verursacht.
  • Der chemische Prozess: Anaerobe Bakterien, die sich besonders im sauerstoffarmen Milieu des hinteren Zungendrittels wohlfühlen, zersetzen Eiweißverbindungen aus Speiseresten und Speichel. Dabei entstehen flüchtige Schwefelverbindungen (Volatile Sulfur Compounds, VSCs) wie Schwefelwasserstoff und Methylmercaptan, die für den typischen unangenehmen Geruch verantwortlich sind.
  • Die wissenschaftliche Lösung: Zahlreiche klinische Studien und systematische Übersichtsarbeiten, einschließlich der hoch angesehenen Cochrane Reviews, belegen eindeutig, dass die mechanische Zungenreinigung die Konzentration dieser VSCs signifikant reduziert.
  • Überlegenheit des Schabers: In direkten Vergleichsstudien erwiesen sich Zungenschaber als effektiver als herkömmliche Zahnbürsten. Eine Studie dokumentierte eine Reduktion der VSCs um 75% durch einen Zungenschaber, verglichen mit nur 45% durch eine Zahnbürste. Andere Untersuchungen fanden ähnliche Verhältnisse, z.B. eine Reduktion um 42% (Schaber) gegenüber 33% (Zahnbürste).

Dieser Effekt ist zwar oft nur von kurz- bis mittelfristiger Dauer, da sich die Bakterienflora regeneriert, aber bei täglicher Anwendung führt er zu einer dauerhaften Verbesserung des Atems und damit zu mehr Sicherheit und Wohlbefinden im sozialen Umgang.

Ein Fest für die Sinne: Die Wiederentdeckung des Geschmackssinns

Ein dicker Zungenbelag kann die feinen Geschmacksknospen (Papillen) auf der Zunge physisch blockieren und so die Wahrnehmung von süß, sauer, salzig, bitter und umami dämpfen. Das Entfernen dieses Belags legt die Geschmacksrezeptoren wieder frei und kann das Essen zu einem intensiveren und genussvolleren Erlebnis machen. Dies ist besonders für ältere Menschen relevant, da der Geschmackssinn im Alter von Natur aus leicht abnehmen kann. Eine klinische Studie an Rauchern, deren Geschmackswahrnehmung oft beeinträchtigt ist, zeigte, dass nach einer 14-tägigen Phase der Zungenreinigung 80% der Teilnehmer eine signifikante Verbesserung ihres Schmeckvermögens angaben.

Karies und Parodontitis: Was die Zungenreinigung beitragen kann – und was nicht

Die Frage, ob Zungenreinigung auch Karies und Parodontitis vorbeugen kann, wird in der Fachwelt differenziert diskutiert. Die Evidenzlage ist hier nicht so eindeutig wie bei der Halitosis.

  • Das theoretische Potenzial: Die Zunge dient als riesiges Reservoir für kariesverursachende Bakterien wie Streptococcus mutans und für Keime, die mit Parodontitis in Verbindung gebracht werden. Die logische Annahme ist, dass eine Reduzierung dieses bakteriellen Reservoirs auch die Neubesiedlung (Rekolonisation) der Zähne und der Zahnfleischtaschen nach dem Putzen verlangsamen könnte. Einige Studien deuten tatsächlich auf eine Reduzierung von Zahnbelag und eine Verbesserung von Zahnfleischentzündungs-Parametern (Gingivitis) bei regelmäßiger Zungenreinigung hin.
  • Die wissenschaftlichen Einschränkungen: Andere, gut konzipierte Studien konnten diesen direkten Zusammenhang nicht zweifelsfrei bestätigen. Eine belgische Studie an Patienten mit Parodontitis zeigte beispielsweise, dass die Zungenreinigung zwar den sichtbaren Belag reduzierte, aber weder die Gesamtbakterienlast im Speichel noch die mikrobielle Zusammensetzung signifikant veränderte. Die Zunge blieb also auch nach der Reinigung ein potenzielles Reservoir für schädliche Keime, die die Zahnfleischtaschen wieder besiedeln können.
  • Die Empfehlung der Fachgesellschaften: Führende zahnmedizinische Organisationen wie die American Dental Association (ADA) und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) bewerten die Zungenreinigung als eine sinnvolle, aber optionale Ergänzung zur etablierten Mundhygiene. Sie ist kein Ersatz für das tägliche Zähneputzen und die unerlässliche Reinigung der Zahnzwischenräume. Ihre Anwendung wird insbesondere für Menschen mit starkem Mundgeruch oder bestehender Parodontitis empfohlen, gilt aber nicht als zwingend notwendige Maßnahme zur Kariesprävention für die Allgemeinbevölkerung.

Ganzheitliche Gesundheit: Die Verbindung von Mundflora, Verdauung und Immunsystem

Eine gesunde Mundhöhle ist mehr als nur die Abwesenheit von Löchern in den Zähnen. Sie ist die Eintrittspforte zum Verdauungstrakt und steht in enger Verbindung mit dem gesamten Körper. Chronische Entzündungen im Mund, wie eine unbehandelte Parodontitis, setzen den Körper unter Dauerstress und gelten als Risikofaktor für systemische Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma und Herz-Kreislauf-Leiden. Die Bakterien und Entzündungsbotenstoffe können in die Blutbahn gelangen und an anderen Stellen im Körper Probleme verursachen.

Indem die Zungenreinigung die bakterielle Last im Mund reduziert und zur Aufrechterhaltung einer gesunden Mundflora beiträgt, kann sie als ein kleiner, aber wichtiger Baustein in einem ganzheitlichen Gesundheitskonzept betrachtet werden. Sie entlastet das lokale Immunsystem im Mundraum und hilft, die systemische Entzündungslast zu reduzieren.

5. Die Kunst der Anwendung: Ihr praktischer Leitfaden zum Zungenschaben

Schritt-für-Schritt-Anleitung: So reinigen Sie Ihre Zunge richtig und sicher

Die korrekte Technik ist einfach zu erlernen und gewährleistet eine effektive Reinigung ohne die empfindliche Zungenschleimhaut zu verletzen.

  1. Vorbereitung: Strecken Sie Ihre Zunge so weit wie möglich und entspannt aus dem Mund heraus. Dies flacht den Zungenrücken ab und macht ihn besser zugänglich.
  2. Ansetzen: Setzen Sie den Zungenschaber oder die Zungenbürste so weit hinten auf der Zunge an, wie es für Sie ohne starken Würgereiz angenehm ist.
  3. Schaben: Ziehen Sie das Instrument mit sanftem, aber gleichmäßigem Druck in einer fließenden Bewegung von hinten nach vorne zur Zungenspitze. Üben Sie gerade so viel Druck aus, dass der Belag entfernt wird, aber keine Schmerzen entstehen.
  4. Reinigen: Spülen Sie den vom Schaber entfernten Belag unter fließendem Wasser ab. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Bakterien nicht wieder im Mund zu verteilen.
  5. Wiederholen: Wiederholen Sie den Vorgang 3 bis 5 Mal, oder bis kein nennenswerter Belag mehr am Schaber haften bleibt. Reinigen Sie dabei die gesamte Breite des Zungenrückens.
  6. Abschluss: Spülen Sie Ihren Mund gründlich mit Wasser aus, um alle gelösten Partikel zu entfernen. Reinigen Sie Ihren Zungenschaber sorgfältig mit heißem Wasser und Seife und lassen Sie ihn an der Luft trocknen.

Timing ist alles: Wie oft und wann ist der beste Zeitpunkt?

Zahnmedizinische Experten empfehlen, die Zunge einmal täglich zu reinigen. Der ideale Zeitpunkt ist morgens direkt nach dem Aufwachen, noch vor dem Frühstück oder dem ersten Glas Wasser. So entfernen Sie den über Nacht angesammelten Biofilm, bevor die darin enthaltenen Bakterien und Stoffwechselprodukte wieder in den Körper gelangen. Die Reinigung kann als erster Schritt der Morgenroutine oder als Abschluss nach dem Zähneputzen erfolgen. Eine häufigere Anwendung ist in der Regel nicht notwendig und könnte bei zu viel Druck die Schleimhaut reizen.

Den Würgereiz überwinden: Bewährte Tipps für eine entspannte Anwendung

Der Würgereflex ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der das Eindringen von Fremdkörpern in den Rachen verhindern soll. Bei der Zungenreinigung kann er anfangs hinderlich sein, lässt sich aber mit etwas Übung und den richtigen Techniken gut kontrollieren:

  • Entspannt atmen: Atmen Sie während der Anwendung langsam und bewusst durch die Nase, nicht durch den Mund. Dies beruhigt das Nervensystem.
  • Langsam herantasten: Beginnen Sie in den ersten Tagen damit, nur die vordere Hälfte der Zunge zu reinigen. Arbeiten Sie sich Tag für Tag schrittweise weiter nach hinten vor, bis Ihr Körper sich an die Berührung gewöhnt hat.
  • Leicht ausatmen: Atmen Sie beim Ziehen des Schabers nach vorne leicht aus. Dies kann den Würgereflex unterdrücken.
  • Druck anpassen: Oft wird der Reiz durch zu festen Druck ausgelöst. Beginnen Sie ganz sanft.
  • Ablenkung: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Nasenatmung oder denken Sie an etwas Angenehmes. Manche Menschen finden es hilfreich, dabei die Augen zu schließen.
  • Die Faust ballen: Ein bekannter Trick ist, während der Reinigung eine Faust zu machen und den Daumen fest mit den anderen Fingern zu umschließen. Der genaue Mechanismus ist unklar, aber viele Anwender berichten von einer positiven Wirkung.
  • Das richtige Werkzeug: Ein flacher Zungenschaber ist in der Regel besser geeignet als eine hoch bauende Zahnbürste, da er weniger Kontakt mit dem Gaumenzäpfchen hat und so den Reflex seltener auslöst.

6. Das richtige Werkzeug: Ein Vergleich der Hilfsmittel

Zungenschaber vs. Zungenbürste vs. Zahnbürste: Was ist am effektivsten?

Die Wahl des richtigen Instruments hat einen entscheidenden Einfluss auf die Effektivität und den Komfort der Zungenreinigung.

  • Zungenschaber: Gilt als Goldstandard. Seine flache, oft leicht geschärfte Kante ist optimal geformt, um den Biofilm effizient von der Zungenoberfläche „abzuziehen“. Wie bereits erwähnt, zeigen Studien, dass Schaber signifikant mehr Belag und geruchsbildende Bakterien entfernen als Zahnbürsten. Ihr flaches Design minimiert zudem den Würgereiz.
  • Zungenbürste: Diese Instrumente haben einen flachen Kopf mit kurzen, festen Borsten oder Lamellen. Sie sind ebenfalls effektiv, da sie den Belag zunächst auflockern und dann entfernen. Einige Modelle kombinieren eine Bürsten- und eine Schaberseite.
  • Zahnbürste: Aus mehreren Gründen nur eine Notlösung. Der hohe Bürstenkopf löst leicht Würgereiz aus. Die Borsten sind oft zu weich, um den zähen Belag effektiv zu entfernen, und können ihn eher verschmieren als abtragen. Ein entscheidender hygienischer Nachteil ist die Gefahr der Kreuzkontamination: Wenn Sie dieselbe Bürste für Zähne und Zunge verwenden, verteilen Sie die massiven Bakterienkolonien von der Zunge auf Ihre Zähne, was kontraproduktiv ist.

Materialkunde: Die Vor- und Nachteile von Edelstahl, Kupfer und Kunststoff

Das Material Ihres Zungenreinigers beeinflusst dessen Hygiene, Langlebigkeit und zum Teil sogar seine Wirkung.

Hilfsmittel / MaterialWirksamkeit (Belagentfernung)Hygiene & PflegeLanglebigkeit & NachhaltigkeitWürgereiz-PotenzialFazit/Empfehlung
Zungenschaber (Edelstahl)Sehr hochExzellent; leicht zu reinigen, spülmaschinenfest, rostfrei.Sehr hoch; bei guter Pflege ein Leben lang haltbar, recycelbar.GeringTop-Empfehlung. Die Kombination aus Effektivität, Hygiene und Nachhaltigkeit macht ihn zur besten Wahl für die meisten Anwender.
Zungenschaber (Kupfer)Sehr hochExzellent; besitzt natürliche antimikrobielle Eigenschaften, die Bakterien auf der Oberfläche abtöten. Benötigt gelegentliches Polieren.Sehr hoch; sehr langlebig, recycelbar.GeringSehr empfehlenswert. Ideal für Anwender, die Wert auf die zusätzliche antibakterielle Wirkung und die ayurvedische Tradition legen.
Zungenschaber (Kunststoff)HochGut; muss regelmäßig und gründlich gereinigt werden. Kann mit der Zeit porös werden und Bakterien beherbergen.Gering; sollte aus hygienischen Gründen alle 2-3 Monate ersetzt werden. Trägt zu Plastikmüll bei.GeringGünstige Einstiegsoption. In Studien effektiv , aber aus hygienischen und ökologischen Gründen den Metallvarianten unterlegen.
Zungenbürste (meist Kunststoff)HochAusreichend; die Borsten sind schwerer vollständig zu reinigen als eine glatte Metalloberfläche. Regelmäßiger Austausch nötig.Gering; ähnlich wie eine Zahnbürste zu ersetzen.MittelEine gute Alternative für diejenigen, die ein bürstendes Gefühl bevorzugen. Kombi-Modelle mit Schaber sind praktisch.
ZahnbürsteMittelKritisch; hohes Risiko der Kreuzkontamination. Borsten schwer zu reinigen.Gering; muss ohnehin regelmäßig ersetzt werden.HochNicht empfohlen. Nur als absolute Notlösung und nur mit einer separaten Bürste verwenden.
Teelöffel (Notlösung)Gering bis MittelGut; leicht zu reinigen.Sehr hochMittelBesser als nichts, aber weniger effektiv als ein speziell geformter Schaber. Unbedingt auf scharfe Kanten achten.

Was Sie nicht verwenden sollten: Von scharfen Kanten und ungeeigneten Hausmitteln

Verzichten Sie unbedingt auf selbstgebastelte Instrumente aus Draht oder anderen scharfkantigen Materialien. Die Gefahr, die empfindliche Zungenschleimhaut und die feinen Geschmacksknospen dauerhaft zu verletzen, ist zu groß. Auch wenn ein umgedrehter Teelöffel im Notfall dienlich sein kann, prüfen Sie dessen Kante sorgfältig auf Schärfe oder Grate.

7. Besondere Überlegungen für die reiferen Jahre

Umgang mit Mundtrockenheit (Xerostomie): Warum Zungenpflege hier besonders hilft

Wie bereits erwähnt, ist Mundtrockenheit ein weit verbreitetes Problem bei Menschen über 50, oft als Nebenwirkung von Medikamenten gegen Bluthochdruck, Allergien, Depressionen oder Schmerzen. Der Mangel an Speichel hat gravierende Folgen: Die natürliche Spül- und Pufferfunktion des Mundes entfällt. Dies führt zu einem raschen Anstieg der Bakterienkonzentration, einem dickeren, zäheren Zungenbelag, starkem Mundgeruch und einem drastisch erhöhten Risiko für Karies, insbesondere an den empfindlichen, freiliegenden Zahnhälsen.

In dieser Situation ist die mechanische Zungenreinigung keine reine Wellness-Anwendung mehr, sondern eine essenzielle kompensatorische Maßnahme. Sie ersetzt quasi die fehlende Reinigungsleistung des Speichels und hilft, das orale Ökosystem trotz der ungünstigen Bedingungen im Gleichgewicht zu halten.

Wenn Medikamente Spuren hinterlassen: Zungenbelag als Nebenwirkung

Die Kenntnis über medikamenteninduzierte Zungenveränderungen kann unnötige Sorgen nehmen und zu einem informierten Gespräch mit dem Arzt oder Apotheker führen. Viele häufig verschriebene Medikamente können das Aussehen der Zunge direkt oder indirekt beeinflussen:

  • Antibiotika: Können das Gleichgewicht der Mundflora stören und zu einer „schwarzen Haarzunge“ oder zu Pilzinfektionen (Mundsoor) führen.
  • Eisenpräparate: Führen oft zu einer harmlosen, aber auffälligen dunklen bis schwarzen Verfärbung der Zunge.
  • Bismutpräparate (in einigen Magenmitteln): Können durch eine chemische Reaktion mit Schwefel im Speichel einen schwarz-braunen Belag verursachen.
  • Antidepressiva, Antihistaminika, Blutdruckmittel: Verursachen oft Mundtrockenheit, die indirekt zu vermehrtem Zungenbelag führt.
  • Chlorhexidin-haltige Mundspülungen: Bei längerer Anwendung können braune Verfärbungen auf Zähnen und Zunge auftreten.
  • Immunsuppressiva (z.B. nach Transplantationen oder bei Autoimmunerkrankungen): Erhöhen das Risiko für opportunistische Infektionen wie Mundsoor.

Wenn Sie eine neue Verfärbung auf Ihrer Zunge bemerken, die zeitlich mit der Einnahme eines neuen Medikaments zusammenfällt, sprechen Sie dies bei Ihrem nächsten Arzt- oder Apothekentermin an. Oft handelt es sich um eine bekannte und harmlose Nebenwirkung.

Das Immunsystem unterstützen: Orale Hygiene als Teil der körpereigenen Abwehr

Mit zunehmendem Alter wird das Immunsystem tendenziell weniger schlagkräftig (Immunoseneszenz). Dies macht den Körper anfälliger für Infektionen, die von der eigenen, normalerweise harmlosen Mikroflora ausgehen. Ein klassisches Beispiel ist der Hefepilz Candida albicans, der bei einer Schwächung der Immunabwehr eine Mundsoor-Infektion auslösen kann, erkennbar an einem weißen, abwischbaren Belag.

Eine konsequente Mundhygiene, einschließlich der Zungenreinigung, reduziert die Gesamtkeimzahl im Mund. Dies kann als eine direkte Unterstützung für das Immunsystem verstanden werden, da es die „Grundlast“ an potenziellen Erregern senkt, mit der sich die körpereigene Abwehr auseinandersetzen muss. Insbesondere bei Pflegebedürftigkeit oder Demenz ist dies von großer Bedeutung, da eine schlechte Mundhygiene als Eintrittspforte für Bakterien in den Blutkreislauf dienen und das Risiko für systemische Infektionen oder eine Lungenentzündung (durch Aspiration von Mundkeimen) drastisch erhöhen kann.

8. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Kann ich durch Zungenschaben krank werden? Bei korrekter und sanfter Anwendung mit einem sauberen Instrument ist das Zungenschaben sicher. Verletzungen sind selten und entstehen meist durch zu viel Druck oder die Verwendung ungeeigneter, scharfkantiger Gegenstände.

2. Wie merke ich, dass ich zu fest schabe? Wenn die Zunge nach der Reinigung schmerzt, brennt oder blutet, haben Sie zu viel Druck ausgeübt. Die Reinigung sollte spürbar, aber niemals schmerzhaft sein. Reduzieren Sie den Druck deutlich.

3. Muss ich nach dem Zungenschaben eine Mundspülung verwenden? Nein, das ist nicht notwendig. Gründliches Ausspülen mit klarem Wasser genügt, um die gelösten Beläge zu entfernen. Aggressive antiseptische Spülungen können sogar die nützliche Mundflora stören.

4. Mein Zungenbelag geht nicht weg, was soll ich tun? Wenn der Belag auch nach mehreren Tagen konsequenter Reinigung hartnäckig bestehen bleibt, sich nicht abstreifen lässt oder von anderen Symptomen wie Schmerzen begleitet wird, sollten Sie einen Zahnarzt oder Hausarzt aufsuchen, um eine zugrundeliegende Ursache auszuschließen.

5. Hilft Zungenschaben auch bei Belag durch Rauchen? Ja, die mechanische Reinigung kann die durch Teer und Nikotin verursachten bräunlichen oder gelblichen Beläge reduzieren. Die beste Maßnahme gegen Raucherbelag ist jedoch die Raucherentwöhnung.

6. Sollte ich vor oder nach dem Zähneputzen die Zunge reinigen? Beides ist möglich. Viele Experten empfehlen die Reinigung morgens als ersten Schritt, um die nächtlichen Ablagerungen zu entfernen, bevor sie geschluckt werden. Andere bevorzugen die Reinigung nach dem Zähneputzen als abschließenden Schritt der Mundhygiene. Finden Sie die Routine, die für Sie am besten passt.

7. Wie oft muss ich meinen Zungenschaber austauschen? Zungenschaber aus Edelstahl oder Kupfer können bei guter Pflege jahrelang, wenn nicht sogar ein Leben lang halten. Modelle aus Kunststoff sollten aus hygienischen Gründen etwa alle 2-3 Monate ausgetauscht werden, ähnlich wie eine Zahnbürste.

8. Ist Ölziehen eine Alternative zum Zungenschaben? Ölziehen ist eine traditionelle ayurvedische Praxis, bei der Öl im Mund bewegt wird, um Bakterien und „Toxine“ zu binden. Es kann als Ergänzung, aber nicht als Ersatz für die mechanische Reinigung gesehen werden. Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit des Ölziehens ist deutlich schwächer als die für das Zungenschaben.

9. Kann Zungenschaben meine Geschmacksknospen beschädigen? Bei sanfter Anwendung mit einem geeigneten, abgerundeten Schaber ist eine Beschädigung der Geschmacksknospen äußerst unwahrscheinlich. Im Gegenteil, die Reinigung legt die Geschmacksknospen frei und verbessert die Geschmackswahrnehmung.

10. Warum habe ich morgens immer den stärksten Belag? Nachts ist die Speichelproduktion stark reduziert und es finden keine mechanischen Reinigungsbewegungen durch Kauen oder Sprechen statt. Dies gibt Bakterien und Zellresten die Möglichkeit, sich ungestört auf der Zungenoberfläche anzusammeln.

11. Gibt es ein Alter, in dem man mit dem Zungenschaben anfangen sollte? Es gibt keine Altersgrenze. Sobald eine gute Mundhygiene etabliert ist, kann die Zungenreinigung in jedem Alter eine sinnvolle Ergänzung sein. Für die Generation 50+ gewinnt sie aus den genannten Gründen jedoch an besonderer Bedeutung.

12. Mein Partner hat Mundgeruch, wie spreche ich das Thema Zungenreinigung an? Wählen Sie einen ruhigen, privaten Moment und sprechen Sie das Thema behutsam und ohne Vorwürfe an. Sie könnten sagen: „Ich habe einen interessanten Artikel über Mundgesundheit gelesen, in dem stand, wie wichtig die Zungenreinigung für frischen Atem ist. Wollen wir das vielleicht mal zusammen ausprobieren?“

13. Kann die Zunge auch „zu sauber“ sein? Eine übermäßig aggressive oder zu häufige Reinigung kann die Schleimhaut reizen und zu Wundsein oder sogar kleinen Verletzungen (Aphthen) führen. Einmal täglich mit sanftem Druck ist völlig ausreichend.

14. Hilft Zungenschaben bei einem pelzigen Gefühl im Mund? Ja, absolut. Das pelzige Gefühl wird oft durch den dicken Biofilm auf der Zunge verursacht. Das Entfernen dieses Belags führt in der Regel sofort zu einem sauberen und frischeren Mundgefühl.

15. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine professionelle Zungenreinigung beim Zahnarzt? Die professionelle Zungenreinigung ist in der Regel keine Standardleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie wird oft als Teil einer professionellen Zahnreinigung (PZR) angeboten, die eine private Zusatzleistung (IGeL) ist. Fragen Sie in Ihrer Zahnarztpraxis nach den Möglichkeiten und Kosten.

9. Weiterführende Medien und Ressourcen

Empfehlenswerte Videos von zahnmedizinischen Experten

Visuelle Anleitungen können sehr hilfreich sein, um die korrekte Technik zu erlernen. Suchen Sie auf Plattformen wie YouTube nach Videos von approbierten Zahnärzten oder zahnmedizinischen Institutionen. Suchbegriffe wie „Zungenreinigung Anleitung Zahnarzt“ oder „Zungenschaber richtige Anwendung“ führen oft zu qualitativ hochwertigen Ergebnissen. Achten Sie darauf, dass der Ersteller des Videos seine zahnmedizinische Qualifikation klar angibt.

  • Beispielvideo von FELGNER Zahnerhaltung: Bietet oft fundierte Erklärungen zu verschiedenen Aspekten der Mundhygiene, einschließlich der Zungenreinigung.
  • Anleitungen von ProDente e.V.: Die Initiative der deutschen Zahnärzte stellt oft verlässliche und leicht verständliche Informationen zur Verfügung, teilweise auch in einfacher Sprache.

Buchtipps zur Mundgesundheit im Alter

Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Mundgesundheit in der zweiten Lebenshälfte gibt es ausgezeichnete Ratgeber und Fachliteratur.

  • „Mundgesundheit und Mundpflege: Praxishandbuch für Pflegefachpersonen“ (Hogrefe Verlag): Obwohl es sich an Pflegepersonal richtet, bietet dieses Buch auch für pflegende Angehörige und interessierte Laien extrem wertvolle, wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Informationen zur Mundpflege bei älteren und pflegebedürftigen Menschen.
  • „Smiles Through the Ages: Altersgerechte Mundhygiene“ (Verlag Unser Wissen): Ein kompakter Leitfaden, der speziell auf die Herausforderungen und Bedürfnisse von Senioren eingeht und praktische Tipps zur täglichen Mundhygiene, zum Umgang mit Zahnersatz und zur Vorbeugung altersbedingter Munderkrankungen gibt.
  • Ratgeber von zahnärztlichen Kammern und Institutionen: Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) oder die Landeszahnärztekammern bieten oft kostenlose Broschüren und Online-Handbücher zur Mundgesundheit bei Senioren und Pflegebedürftigen an, die eine exzellente und verlässliche Informationsquelle darstellen.

10. Quellenverzeichnis

Quellenangaben

1. Die Verdauung beginnt im Mund – maria-vater, https://www.naturundgenuss.de/2024/08/27/die-verdauung-beginnt-im-mund/ 2. Der Zungenschaber – Ayurveda Journal, https://www.ayurveda-journal.de/zungenschaber/ 3. Oral, Tongue-Coating Microbiota, and Metabolic Disorders: A Novel Area of Interactive Research – Frontiers, https://www.frontiersin.org/journals/cardiovascular-medicine/articles/10.3389/fcvm.2021.730203/full 4. Microbiota of the Tongue and Systemic Connections: The Examination of the Tongue as an Integrated Approach in Oral Medicine – MDPI, https://www.mdpi.com/2673-947X/1/2/6 5. Senioren: Tipps für eine gute Mundhygiene im Alter, https://zahnarztzentrum.ch/senioren-tipps-fuer-eine-gute-mundhygiene 6. Einfluss von Zungenreinigern vor einer antibakteriellen Therapie bei Multiband-Patienten auf die Rekolonisationszeit von Mutans-, https://d-nb.info/1139170627/34 7. Quintessenz Journals – Quintessence Publishing, https://www.quintessence-publishing.com/deu/en/article-download/2892369/senioren-zahnmedizin/2022/01/wenn-die-immunschwaeche-unserer-senioren-zunimmt-die-rolle-der-oralen-gesundheit 8. Zungenbelag: Wieso die Zungenfarbe wichtig für die Gesundheit ist – Lieblings-Zahnarzt, https://www.lieblings-zahnarzt.de/lieblings-blog/zaehne-gesundheit/zungenbelag-woher-er-kommt-und-ob-er-entfernt-werden-sollte/ 9. Zungenbelag – Einleitung – DocMedicus Gesundheitslexikon, https://www.gesundheits-lexikon.com/Speiseroehre-Magen-Darm/Zungenbelag/Einleitung 10. Zungenbelag – Altmeyers Enzyklopädie – Fachbereich Dermatologie, https://www.altmeyers.org/de/dermatologie/zungenbelag-4441 11. Belegte Zunge: Ursachen – netDoktor.de, https://www.netdoktor.de/symptome/belegte-zunge/ 12. Mundflora – DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/Mundflora 13. Zungenreinigung täglich: Sinnvoll oder überflüssig? – Zahnarzt Wiesbaden, https://zahnarzt-praxis-wiesbaden.de/zungenreinigung-taeglich-sinnvoll-oder-ueberfluessig/ 14. Zungenbelag – DocCheck Flexikon, https://flexikon.doccheck.com/de/Zungenbelag 15. Zungenpflege – Zungenreinigung als Nr.1 gegen Mundgeruch, https://zahntipps.at/de/mundhygiene/zungenpflege.html 16. Gelber Zungenbelag: Ursachen, Symptome und effektive Behandlungsmethoden – Dental21, https://www.dental21.de/magazin/gelbe-zunge 17. Belegte Zunge: Was sie über die Gesundheit aussagt – AOK, https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/organe/belegte-zunge-was-sie-ueber-die-gesundheit-aussagt/ 18. Zungenreinigung – sinnvolle Mundpflege – zahn.de, https://www.zahn.de/zahn/web.nsf/id/pa_zungenreinigung_sinnvolle_mundpflege.html 19. Tongue Scraping & the Oral Microbiome – Fygg, https://fygg.com/blogs/fygg/tongue-scraping-the-oral-microbiome 20. (PDF) Tongue cleaning methods: A Review – ResearchGate, https://www.researchgate.net/publication/303859687_Tongue_cleaning_methods_A_Review 21. (PDF) Frequency of Tongue Cleaning Impacts the Human Tongue …, https://www.researchgate.net/publication/331451635_Frequency_of_Tongue_Cleaning_Impacts_the_Human_Tongue_Microbiome_Composition_and_Enterosalivary_Circulation_of_Nitrate 22. Zungenreiniger: Die richtige Anwendung von Zungenschabern | CURAPROX, https://curaprox.de/blog/post/Zungenreiniger-Die-richtige-Anwendung-von-Zungenschabern 23. Tongue-cleaning methods: a comparative clinical trial employing a toothbrush and a tongue scraper – PubMed, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15341360/ 24. EFFECTIVENESS OF A NEW TOOTHBRUSH DESIGN VERSUS A CONVENTIONAL TONGUE SCRAPER IN IMPROVING BREATH ODOR AND REDUCING TONGUE MICROBIOTA, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4327536/ 25. Klinische Studie zur Beurteilung oraler Risikoparameter für Halitosis – Elektronische Hochschulschriften der LMU München, https://edoc.ub.uni-muenchen.de/00000530/01/Jecke_Ulf.pdf 26. Effectiveness of mechanical tongue cleaning on breath odour and …, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20961381/ 27. A Cochrane systematic review finds tongue scrapers have short …, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17004573/ 28. Tongue scraping for treating halitosis – PubMed, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16625641/ 29. Toothbrushing versus toothbrushing plus tongue cleaning in reducing halitosis and tongue coating: a systematic review and meta-analysis – PubMed, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24165218/ 30. Frischer Atem durch Zungenreinigung? – LENTRODT | die zahnärzte, https://zahnarztlentrodt.de/blog/frischer-atem-durch-zungenreinigung/ 31. Zungenreinigung – Das Patientenportal der KZV Nordrhein, https://www.zahnpatienten.info/zahnvorsorge/zahnvorsorge-zu-hause/zahnpflegemittel/zungenreinigung 32. Final Dr.arbeit Lene – Publikationsserver UB Marburg, https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2023/0352/pdf/dmc.pdf 33. Zungenreinigung: Unterschätzt oder überflüssig? – Coliquio.de, https://www.coliquio.de/wissen/zahnmedizin-100/zungenreinigung-unterschaetzt-oder-ueberfluessig 34. Zungenreinigung verringert nicht die Bakterienlast – zm-online, https://www.zm-online.de/news/detail/zungenreinigung-verringert-nicht-die-bakterienlast 35. Infoblatt 28: Mundgesundheit und Demenz – Deutsche Alzheimer Gesellschaft, https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/factsheets/infoblatt28-mundgesundheit-demenz-dalzg.pdf 36. Immunologische Aspekte der Zahnmedizin – Zahnarztpraxis Nekzai, https://zahnarztpraxis-nekzai.de/wiki/immunologische-aspekte-der-zahnmedizin/ 37. Ist es sinnvoll, Zungenbelag zu entfernen? – AOK, https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/zaehne/ist-es-sinnvoll-zungenbelag-zu-entfernen/ 38. Würgereiz – Zahnarzt in Öhringen Praxis Dr. Wilde, https://xn--zahnarzt-in-hringen-16b.de/wuergereiz/ 39. Würgereiz verstehen: Ursachen und Tipps zur Unterdrückung – ilovemysmile, https://ilovemysmile.de/wuergereiz-unterdruecken/ 40. Zungenreinigung mit Zungenschaber sinnvoll? – CSS, https://www.css.ch/de/privatkunden/meine-gesundheit/koerper/wunderwerk-koerper/zungenreinigung.html 41. Zungenreinigung – ist diese empfehlenswert? – Zahnarzt Praxis Aachen, https://zahnleben-aachen.de/news/zungenreinigung-ist-diese-empfehlenswert 42. Wie sinnvoll ist ein Zungenreiniger – Lifestyle by Bine, https://www.lifestylebybine.de/wie-sinnvoll-ist-ein-zungenreiniger 43. Zähne putzen reicht nicht aus: Die Wunderwaffe gegen Mundgeruch und Keime – CHIP, https://www.chip.de/news/Zaehne-putzen-reicht-nicht-aus-Die-Wunderwaffe-gegen-Mundgeruch-und-Keime_184908487.html 44. Zungenbelag – Anamnese | DocMedicus Gesundheitslexikon, https://www.gesundheits-lexikon.com/Speiseroehre-Magen-Darm/Zungenbelag/Anamnese 45. Belegte Zunge – Ursachen & schonende Behandlung – ECDI, https://ecdi.de/ratgeber/belegte-zunge/ 46. RA-Medikamente und der Mund | NRAS – National Rheumatoid Arthritis Society, https://nras.org.uk/de/resource/ra-medication-and-the-mouth/ 47. Zungenschaber zur Zungenpflege hilft gegen Mundgeruch – DentalAce, https://www.dentalace.at/blog-post/54/zungenschaber-zur-zungenpflege-hilft-gegen-mundgeruch 48. Wirkstoffe in der Kariesprävention, https://www.zahnaerzte-muehlenkamp.de/files/Publikationen/Nicole_Gruenert_Wirkstoffe_in_der_Kariespraevention.pdf 49. Belegte Zunge: Ursachen und Tipps zum Zungenbelag Entfernen – Zahnarzt Dr. Seidel, https://www.zahnarzt-drseidel.de/zungenbelag.html 50. TS1 – Zungensauger – YouTube, https://www.youtube.com/watch?v=vyReHM5XR6M 51. Mundgeruch loswerden durch Zungenreinigung? Der Faktencheck! – YouTube, https://www.youtube.com/watch?v=80Mu7u1h7Bo 52. Die Zunge richtig reinigen – zahn.de, https://www.zahn.de/zahn/web.nsf/id/pa_zunge_reinigen_einfache_sprache.html 53. Mundgesundheit und Mundpflege – 2021 – Praxishandbuch für Pflegefachpersonen, Pflege-, Dental- und Zahnärztliche Prophylaxeassistentinnen | Hogrefe, https://www.hogrefe.com/de/shop/mundgesundheit-und-mundpflege-93696.html 54. „Altersgerechte Mundhygiene“ online kaufen – Thalia, https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1071724255 55. Mundpflege und Zahnpflege bei Pflegebedürftigen: Anleitungen – Pflege.de, https://www.pflege.de/pflegende-angehoerige/pflegewissen/mundpflege-zahnpflege/ 56. Mundgesundheit bei Pflegebedü tigen – ZAHNÄRZTEKAMMER BERLIN, https://www.zaek-berlin.de/dateien/Content/Dokumente/Patienten/Ratgeber/ZAEK_Berlin_Mundgesundheit_bei_Pflegebeduerftigen2023.pdf

Mario Bielitz
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